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Grosse Hufeisennase: erster Nachweis seit 1904 im Thal

Bei akustischen Aufnahmen für ein Artenförderprojekt konnte auf dem Oberberg bei Balsthal eine Grosse Hufeisennase aufgezeichnet werden. Es ist der erste Nachweis seit 113 Jahren in der Region.

Die vom Aussterben bedrohte Grosse Hufeisennase konnte erstmals seit 113 Jahren wieder im Thal nachgewiesen werden, wie die Stiftung Fledermausschutz in einer Mitteilung schreibt. Im Rahmen von bioakkustischen Aufnahmen konnte der Ruf der äusserst seltene Fledermausart auf dem Oberberg im Naturpark Thal aufgezeichnet werden. Ob es sich dabei um ein Einzeltier handelt, oder ob in der Nähe sogar eine Kolonie vorhanden ist, werden weitere Abklärungen zeigen.

Im Kanton Solothurn ist zwar kein Fortpflanzungsquartier bekannt, dafür existieren aus den letzten 30 Jahren Nachweise von mindestens drei Individuen, allesamt in eher peripheren Regionen des Kantons. Im Zentrum des Kantons im Bezirk Thal gelang der letzte Nachweis im Jahr 1904.

Dies hat sich nun geändert. Im Rahmen eines Artenförderprojektes für Fledermäuse wurden an verschiedenen Orten im Kanton akustische Fledermausaufnahmen gemacht, unter anderem auch auf dem Oberberg zwischen Balsthal und Mümliswil. Bei dieser Form der Erhebung werden spezielle Geräte mit hochempfindlichen Mikrofonen eingesetzt, welche automatisch die Echoortungsrufe aller vorbeifliegenden Fledermäuse aufzeichnen. Die so aufgenommenen Rufe können dann am Computer analysiert und einer Art oder Artgruppe zugeordnet werden. Während vier Nächten im Juli zeichnete ein solches Gerät auf dem Oberberg auf und registrierte in einer Nacht eine vorbeifliegende Grosse Hufeisennase. Abgesehen davon, dass die Art sehr selten ist, ruft sie auch vergleichsweise leise und zudem sehr gerichtet – man kann sich die von ihr ausgesendeten Schallwellen fast wie den Strahl einer Taschenlampe vorstellen. Ein Nachweis der Art wird dadurch noch zusätzlich erschwert.

So erfreulich es ist, dass diese Fledermausart zum ersten Mal seit 113 Jahren wieder im Thal nachgewiesen wurde, so wenig erstaunt es, dass dieser Nachweis auf dem Oberberg gelang. Dank dem Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft und der guten Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern sind auf dem Balsthaler Oberberg ausgedehnte ungedüngte Heumatten und Sömmerungsweiden mit hoher Vielfalt an Pflanzenarten vorhanden. Eine hohe Artenvielfalt an Pflanzen bietet einen idealen Lebensraum für unzählige Insektenarten. Zu diesen gehören auch verschiedenste Heuschrecken und Käfer – die Lieblingsbeute der Grossen Hufeisennase.

Diese Entdeckung wird sicher noch weitere Untersuchungen nach sich ziehen, beispielsweise, ob auf dem Oberberg wirklich nur ein Einzeltier unterwegs ist, oder ob es in der Region gar eine bisher unentdeckte Kolonie gibt.

Mehr Informationen zu der sensationellen Entdeckung unter: http://www.fledermausschutz.ch/Hufeisennase

Grand Rhinolophe

Grosse Hufeisennase, Bild: Marie Jullion/Wikipedia